Delegierte aus ganz Rheinland-Pfalz setzen ein starkes Zeichen für mehr Teilhabe und demokratische Mitbestimmung.
Am 31.10.2026 fand die Delegiertenversammlung der AGARP statt. Die aus ganz Rheinland-Pfalz anreisenden Delegierten der AGARP kamen in den Räumlichkeiten der Kreisverwaltung Mainz-Bingen zusammen. Die Vertreterinnen und Vertreter der kommunalen Beiräte berieten über zahlreiche aktuelle integrations- und sozialpolitische Themen, welche das Bundesland Rheinland-Pfalz und seine Mitbürgerinnen und Mitbürger beschäftigen. Fokus des konstruktiven Austausches war es, die Arbeit der Beiräte für Migration und Integration, die aktive Partizipation der Beiräte stärker zu begleiten, zu fördern und Herausforderungen gemeinsam zu überwinden. Um diesen Austausch zu festigen, wurden mehrere Beschlüsse gefasst, welche in den kommenden Monaten mit der Öffentlichkeit geteilt werden sollen.
Die Versammlung eröffnete die Pianistin Alina Panzenböck mit einem emotional bewegenden musikalischen Beitrag.

Beiräte als demokratische Brückenbauer
In seiner Eröffnungsrede betonte der Vorsitzende der AGARP, Kemal Gülcehre, die zentrale Bedeutung der Beiräte für Migration und Integration als demokratische Brückenbauer zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Die Beiräte seien wichtige Ansprechpartner für Menschen mit Migrationsgeschichte und trügen maßgeblich dazu bei, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Teilhabe und Dialog vor Ort zu fördern. Kemal Gülcehre erinnerte in seiner Rede an die lange Geschichte der Migration in Deutschland. Dabei würdigte er insbesondere die Leistungen der sogenannten Gastarbeitergenerationen. Er verwies auf das deutsch-italienische Anwerbeabkommen von 1955 sowie das deutsch-türkische Anwerbeabkommen von 1961, die den Beginn einer Entwicklung markierten, die Deutschland nachhaltig geprägt hat. Die damaligen Arbeitskräfte hätten nicht nur zum wirtschaftlichen Aufbau beigetragen, sondern auch die kulturelle Vielfalt des Landes bereichert. „Migration ist kein neues Thema, sondern seit Jahrzehnten Teil unserer gemeinsamen Realität. Die Beiräte leisten heute einen wichtigen Beitrag dazu, dass Menschen gehört werden, Verantwortung übernehmen und unsere Gesellschaft aktiv mitgestalten können“, erklärte Gülcehre. Der AGARP-Vorsitzende hob zudem hervor, dass die Arbeitsgemeinschaft inzwischen rund 1.100 ehrenamtlich engagierte Mitglieder in 85 Beiräten vertritt. Diese Arbeit sei Ausdruck eines starken Netzwerks, das sich landesweit für Chancengleichheit, demokratische Mitbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe einsetze.
Gremienarbeit verdient starke Wertschätzung
Die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Delegiertenversammlung wurde durch die aktive Teilnahme zahlreicher Gäste aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft unterstrichen.


Die AGARP begrüßte unter anderem den Beauftragten der Landesregierung für Migration und Integration Rheinland-Pfalz, Miguel Vicente. Vicente sprach in seinem Grußwort in Vertretung für den Staatssekretär des Landes Rheinland-Pfalz, Dirk Herber, und betonte mit den Worten „denn Integration entscheidet sich doch immer vor Ort“ die Wichtigkeit einer kommunalen Gremienarbeit. Mit den Worten „Wer Menschen zur Mitwirkung einlädt, muss ihnen auch zuhören. Das ist gelebte Demokratie. Denn gute Politik muss die Lebenswirklichkeit der Menschen kennen“, bestätigte Vicente, dass die Wertigkeit der vielfältigen Arbeit in einem Ehrenamt auch „Perspektiven in die Politik einbringt, die dort gehört werden müssen.“ Vicente rief zudem zu einer gemeinsamen Gestaltung der Zukunft des Landes Rheinland-Pfalz auf und begrüßte die sichtbare und aktive Partizipation sowie die Förderung einer erfolgreichen Migrationspolitik mit dem Fokus auf eine gemeinsam zu gestaltende Zukunft.

Ein weiteres Grußwort hielt der Landrat des Landkreises Mainz-Bingen, Thomas Barth. In seinem sehr bewegenden und motivierenden Grußwort wies Barth mit den Worten „diese Vielfalt ist eine Bereicherung für unseren Landkreis“ auf die gelebte und erlebte Vielfalt, die Gemeinsamkeiten und die Besonderheiten eines Zusammenlebens hin. „Teilhabe bedeutet aber auch, die eigene Lebensumgebung mitgestalten und die eigenen Interessen einbringen zu können. Damit stärkt sie nicht nur die Beiräte selbst, sondern auch die demokratische Beteiligung und das Zusammenleben in unseren Kommunen“, betonte Barth seine besondere Wertschätzung für eine fortlaufende aktive Unterstützung des Ehrenamtes und die „gemeinsame Aufgabe, Beteiligungsmöglichkeiten sichtbar zu machen, Vertrauen aufzubauen und Menschen zur Mitwirkung zu ermutigen.“

Weitere Anwesende waren zudem die erste Beigeordnete des Landkreises Mainz-Bingen, Almut Schultheiß-Lehn, sowie Vertreterinnen und Vertreter der Beiräte für Migration und Integration in Rheinland-Pfalz. Ein weiteres Grußwort hielt die Vorsitzende des Beirates für Migration und Integration im Landkreis Mainz-Bingen, Lale Scherer, sowie der Vorsitzende des Beirates für Migration und Integration der Stadt Ingelheim, Carlos Pereira. Während Lale Scherer über die Wertigkeit einer Ehrenamts- und Gremienarbeit sprach, betonte Carlos Pereira die Vielfalt und Besonderheiten innerhalb eines Ehrenamtes sowie die gelebte kollektive Arbeit, die aktive Zusammenarbeit in einem Gremium.
Projekte und Praktika im Fokus der AGARP
Neben organisatorischen und strukturellen Themen standen Projekte wie „Beiräte vor Ort 2026“ sowie die Zusammenarbeit der AGARP im Rahmen des Projekts „Passt Genau – Beratungsnetzwerk zur Einbürgerung“ auf der Tagesordnung.

Die AGARP präsentierte in der Versammlung ihr aktuelles Projekt „Beiräte vor Ort“ mit den grundlegenden Zielen für eine bessere, strukturierte, zielorientierte und erfolgreiche Beirats- und Gremienarbeit. Als Leiter des Projektes stellte Ziya Yüksel das Projekt im Detail vor und bedankte sich in Anwesenheit der Gäste bei seinen Assistentinnen, Dilan Düzgün und Olena Vdovychenko, sowie bei der Geschäftsstelle der AGARP für ihre wertvolle Unterstützung. Neben fünf Veranstaltungen in Präsenz werden ab Januar 2027 weitere fünf digitale landesweite Veranstaltungen des Projektteams stattfinden.

Als ein weiteres und sehr wertvolles Projekt wurde die Kooperation der AGARP in dem Projekt „Passt-Genau – Beratungsnetzwerk zur Einbürgerung“ vorgestellt. Kathrin Keller und Luisa Yasit stellten das Projekt, dessen Grundidee, die Meilensteine, die Herausforderungen sowie die Ziele des Projektes im Detail vor. Das Projekt wird vom Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat (BZI) durchgeführt und von den Kooperationspartnern, der AGARP (Rheinland-Pfalz), der AGAH (Hessen) und dem LAKA (Baden-Württemberg) unterstützt.
Anträge und Resolutionen einstimmig beschlossen
Ein weiterer Schwerpunkt der Delegiertenversammlung war die Beratung von Anträgen und Resolutionen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Resolution „Wahlrecht für alle, die hier leben“. Die Delegierten bekräftigten hierzu ihre Überzeugung, dass alle Mitbürgerinnen und Mitbürger, welche dauerhaft in Rheinland-Pfalz leben, arbeiten, die Schulen und Hochschulen besuchen, ihre Alltag aktiv und partizipativ gestalten und damit eine gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, deutlich stärker an demokratischen Entscheidungsprozessen im Bundesland Rheinland-Pfalz beteiligt werden sollten.
Mit dieser gemeinsamen Haltung sendeten die Delegierten der AGARP ein geschlossenes Signal für die weitere Stärkung von Integration, Partizipation, kollektiver Mitbestimmung und Mitgestaltung in Rheinland-Pfalz.
Die AGARP setzt sich seit ihrer Gründung für Vielfalt, Toleranz und Akzeptanz, sowie für ein gemeinsames Miteinander auf gleicher Augenhöhe ein.




